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2 Feb 2014

Weg mit der ” German Angst”

Posted by Joerg. No Comments

Die ersten Monate des Jahres sind immer die Jahreszeit der Awards – Grammy, Oscar und natürlich auch der German Ofshore Award. Wie in den vergangenen Jahren war auch dieses Mal Team mare nominiert und das für insgesamt drei Regatten. Drei Nominierungen, da sollte doch nichts mehr schief gehen, hätten wir gedacht und haben fest gehofft.
Leider konnten wir uns den Preis nicht wieder holen, dabei haben wir gar nicht so schlecht gesegelt im Jahre 2013. Wir gratulieren der Varuna Crew zu ihrem Sieg beim German Offshore Award für ihre hervorragende Leistung beim Sydney Hobart Race!

Aber der German Offshore Award ist mehr als nur die Preisvergabe für die beste deutsche Hochseeyacht – er hat sich auch verschrieben das Hochseesegeln voranzubringen, zu verjüngen und für Sponsoren attraktiv zu machen. Das ist zum wiederholten Mal nicht gelungen!
Was fehlt, ist eine Aufbruchstimmung, die ansteckt und neue Energie freisetzt und somit einen Ruck durchs deutsche Hochseesegeln gehen läßt.
Es wurde festgestellt, das aus dem Hochseesegeln in Deutschland nichts wird, weil hier ein Francois Gabart fehlt! Das stimmt aber nicht, wir haben das alles schon: Wir haben das Boot, wir haben den Segler und wir haben das Team. Also weg mit der “German Angst” – und in zwei Jahren ist Deutschland eine der Top Nationen im Offshore Segeln. Mit der nötigen finanizellen Ausstattung kann Deutschland das nächste Vendée Globe gewinnen – den “Mount Everest ” des Offshore Segeln. Es is eine Frage des Willens und Charakters. Lets Go.

9 Jan 2014

Fit for 2014, 2015, 2016

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Unser neuer Open60 verzeiht keine Abende auf dem Sofa bei Chips oder Schokolade. Um ihn segeln zu können, muss man absolut fit sein. Jeder Muskel zählt! Darum habe ich nach Brasilien auch keine Pause gemacht, sondern bin gleich in Hamburg in die Muckibude gegangen, in der auch meine Freundin trainiert.

Glücklicherweise gibt es dort ein Gerät, dass einem Coffeegrinder ähnelt, mit dem das Setzen, Bergen und Trimmen der Segel erledigt wird. Also ab an die Maschine und bei einer Höchstleistung von 300 Watt mindestens drei Minuten kurbeln. Ein schweißtreibender Job. Kein Wunder, dass man einst beim United Internet Team Germany, dem einzigen deutschen Americas Cup-Team, einen Quereinsteiger als Grinder verpflichtet hat und zwar den Kugelstoßer Oliver-Sven Buder. Der hatte immerhin Unterstützung durch andere Crew-Mitglieder. Bei der Vendee Globe muss ich diesen Job allein erledigen. Diese Arbeit kann an bestimmten Tagen zur Hauptbeschäftigung und somit zur Hölle werden.

In Kürze geht es übrigens zurück nach Lorient in Frankreich, wo unser Open60 noch in der Werft liegt. Ich habe mich im Internet schon mal nach einem Fitnessstudio umgeschaut. Das einzige, das in Frage kommt, hat nicht nur viele Kraftmaschinen, sondern auch Stangen, an denen Pole Dance geübt wird. Eigentlich ein Training für Frauen. Aber wer weiß, vielleicht werden mein Team und ich die neuen Chippendales…

31 Okt 2013

Die Vorbereitungen laufen auf hochtouren

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Die Woche vor den großen Regatten ist immer sehr aufreibend. Die Sicherheitschecks sind bei einer Transat Regatta immer sehr lang und aufreibend. Wir hatten am Dienstag unseren Check und alles ist gut über die Bühne gegangen.
Ansonsten machen wir uns Gedanken, wie diese Regatta für uns wohl laufen wird. Der Standard ist schon sehr hoch mit vielen sehr guten Booten. Es gibt mindestens fünf bis sechs Boote, die diese Regatta gewinnen können. Allen voran natürlich Sebastian Rouges mit seiner GDF Suez, aber auch die Spanische Tales Crew, um den spanischen Top-Segler Alex Pella ist sehr gut aufgestellt, genauso wie der Italienische Segelstar Piedro d Ali mit seinem nagelneuen Verdier Design. Ich hoffe, dass wir mit diesen Segelgrößen mithalten können. Ich bin leider immer noch erkältet mit leichten Fieber, was sich nicht so richtig legen will, aber es muss schon gehen.
Die Vorhersage für den Start am Sonntag ist alles andere als angenehm. Am Start sind noch moderate 6 Windstärken vorhergesagt. Die erste Nacht auf See wird nach der Vorhersage von heute mit 8-9 Windstärken aufwarten. Dieser Herbst ist recht gnadenlos. Na ja – als Offshore-Segler muss man damit leben…

14 Okt 2013

Training Training,Training…

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Der August gab uns eine kleine Verschnaufpause nach einem doch recht vollgepackten und anstrengenden Regattakalender im Juli, der auch noch markiert wurde mit einem für uns sehr enttäuschenden Abschneiden bei der Azorenregatta im Class40.

Nach 2 Wochen Pause im August ging es dann Anfang September gleich mit neuen Elan an die Arbeit. Es galt noch einige Tests mit dem Open 60 durchzuführen, bevor er aus dem Wasser kam, um für das Barcelona World Race modifiziert zu werden. Und wir hatten noch die Gelegenheit eine Open 60 Regatta zu segeln – die Trophee Azimuth. Diese Regatta verlief für das Team mare hervorragend, wir befanden uns fast konstant in der Spitzengruppe und ersegelten am Abschlusstag der Regatta noch zwei dritte Plätze. Es war für uns sehr motivierend die Open 60 Saison mit einer guten Performance zu beenden. Gleich nach der Trophee Azimuth ging es denn ans Class 40 Training, schließlich startet am 03.11. die größte Regatta des Jahres das Transat Jacques Vabre, bei der wir mit unserem Class 40 aufs Podium wollen.

Die Azoren Regatta hatte ja einige Schwachpunkte aufgezeigt, die es auszumerzen galt. Unsere größte Baustelle war unser Vor dem Wind Speed, der bei der Azorenregatta schlichtweg nicht vorhanden war. Durch ein verändertes Spi Design und eine andere Art das Boot zu segeln, sollte dieses Problem nun behoben sein. Wir sind zwar Vor dem Wind  immer noch ein ganz klein wenig langsamer als Sebastien Rouges mit seiner GDF Suez, allerdings sind wir vor allem auf Resch Kursen schneller als GDF und alle anderen Class 40´s.

Da wir davon ausgehen, dass das Rennen nach den Doldrums im Südost Passat entschieden wird, wo es fast 5 Tage nur Reachgänge gibt, sehen wir entspannt dem Rennen entgegen. Wenn wir die Doldrums mit weniger als 40 Meilen Rückstand auf GDF Suez verlassen sollten wir das Rennen für uns entscheiden können. Allerdings sollte man nicht vergessen dass es nicht nur GDF zu schlagen gibt sondern noch zwei drei anderen sehr gefährliche Konkurrenten. Hier ist vor allem Alex Pella mit seinem neuen Botin Design zu nennen, aber auch Sam Goodchild auf dem extremen und leicht hässlichen Ker Design wird hart zu knacken sein.

Nach unserem Abschlusstraining von letzter Woche gehen Pierre Brasseur und ich sehr zuversichtlich ins Transat Jacques Wabre. Wenn wir konzentriert segeln und das Boot in einem Stück lassen sollte eigentlich nicht schiefgehen…

15 Aug 2013

Champions League ist hart

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Man hat ja manchmal die Neigung, über andere Mensche herzuziehen, vor allem wenn man sie nicht kennt. Besonders gerne macht man das mit Fußballvereinen und als Hamburger besonders gerne mit dem HSV. Wie ist man immer wieder über den armen HSV hergezogen, als er in der Champions League spielte und nicht so ganz zwingend erfolgreich aufgetreten ist.

Da waren wir nun in einer sehr vergleichbaren Situation. Ein Blick auf die Meldeliste des RORC Fastnets verhieß nichts Gutes: Nur die allerbesten und schnellsten IMOCAs am Start. Die Papierform sagte voraus – mare wird wohl Letzter werden. Aber vielleicht können wir ja doch noch Hugo Boss schlagen, unser beinahe Schwesterschiff, welches jedoch stärker modifiziert ist.

Am Sonntag, den 11.08. um 12:10  ging es bei Traumbedingungen los – 4 Windstärken und Sonnenschein, doch dafür hat man nach 12 Wenden (gefühlt 120) keine Zeit mehr. IMOCAs sind echte Knochenmühlen.

Nach der Passage der Christchurch Bay sah die Welt sehr rosig aus – wir sind Dritter! Wow, wie toll ist das denn, wie damals 2001 als der HSV Junvenus Turin geschlagen hat.

Bis zur Hälfte der Lyme Bay hielten wir uns gut. Ok., die neuen VPLP Verdiers MACIF und Maitre Coq waren schneller, aber Hugo Boss und Poujoulat konnten wir halten. Kurze Zeit später bekam unsere schöne Welt kleine Kratzer – der Hook der J1 Genua klemmte – scheiß Karver Hooks  – wir wussten doch, dass die nur Ärger machen. Also segelten wir bei abnehmendem Wind mit der viel zu kleinen J2 Genua und die anderen waren logischer Weise schneller. Bis das Problem behoben war, hatten wir 1,5 Meilen auf das Hauptfeld verloren. Das wäre ja noch gegangen, bis auf das wir in einem Flautenloch landeten, welches 1,5 Meilen vorher noch nicht da war. Aus 1,5 Meilen wurden schnell 10 Meilen und wir waren raus aus dem Rennen. Lediglich Safran und PRB blieben noch in Schlagdistanz.

Fast den ganzen Weg zum Fastnet segelten wir in Sichtweite von Safran. Sie waren ein wenig schneller, aber nicht schockierend. Bis zur Hälfte des Rückwegs von Fastnet Rock bliebt alles beim alten. Wir segelten rund 5 Meilen hinter Safran, dann aber kam die Stunde von mare. Wir pushten das Boot härter und hatten bei Rundung der Scillys auf einmal einen Vorsprung von 3 Meilen vor Safran. Cool! mare vor einer der Besten IMOCAs. Wir waren nicht sicher, ob wir bei dem bevorstehenden Raumgang den Vorsprung halten könnten, aber wir waren aggressiver, wechselten früher vom Code 2.5 auf den A2 Spi und holten so die 3 Meilen zusätzlichen Vorsprung, die uns den 6. Platz im Ziel sicherten.

Ich habe mich seit der Route du Rhum nicht mehr so über einen 6 Platz gefreut. Für uns war es ein sehr gutes Debüt. Das Feld war härter, als das, welches wir beim Barcelona World Race erwarten und wir waren konkurrenzfähig. Wir wissen, was wir am Boot ändern müssen, um beim Barcelona World Race um einen Podiumsplatz kämpfen zu können.

Und wir wissen, dass ein Riesenberg Arbeit vor uns liegt. Bei der Trophee Azimuth Mitte September in Lorient haben wir nochmals die Möglichkeit, uns und unser Boot gegen die anderen IMOCAs zu testen. Ich freue mich jetzt schon darauf.

 

1 Jul 2013

Endlich Podium!

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Im Leben eines Seglers gibt es immer Regatten, bei denen es nicht so richtig klappen will. Man bereitet sich gut vor, hat ein schnelles Boot, aber landet trotzdem irgendwie nie auf dem Podium. Im Mini ist das Mini Fastnet immer so eine Regatta für mich gewesen, in fünf Anläufen bin ich nie auf dem Podium gelandet. Dieses Jahr sollte alles anders werden, ich wollte meine Mini Saison nicht mit so einem schwarzen Fleck in meinem C/V beenden.

Also legten Pierre und ich fest, dieses Jahr sollte das Podium her. Mit unserem Router Meeno Schrader legten wir das Routing fest und konzentrierten uns besonders auf die Überquerung des Englischen Kanals, eine Disziplin bei der Pierre und ich in der Vergangenheit oft nicht glücklich aussahen.

Mit einem Tag Verspätung – wegen es anziehenden Sturmtiefs – ging es dann am 24.06. los.  Alles lief wie geplant, wir setzten uns nach dem Start gleich in der Spitzengruppe fest. Den Kanal überquerten wir seit langer Zeit mal ohne taktische Schnitzer. Beim Wolf Rock waren wir dann Dritter hinter Gwenole Gahinet und Etienne Bertrand.

Ich sagte zu Pierre, dass wir nur auf Gwenole aufpassen müssten. Etienne Bertrand würde früher oder später einen Fehler machen und das alte Boot von Etienne David auf dem bei diesem Rennen der Gewinner des letzten Transats – David Raison – mitsegelte und kurz welches hinter uns auf dem vierten Platz lag, wäre bei den herrschenden leichten Raumschotsbedingungen noch nie schnell gewesen. Unsere Angstgegner Bertrand Delesne und die Magnum mit GianCarlo Penedote lagen guten 8 Meilen zurück. Ach ,das Leben kann manchmal so toll sein, dachten wir.
Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass Etienne irgendwie schneller war als wir dachten und auch David Raison rückte uns immer weiter auf die Pelle, na ja – und Gwenole enteilte uns.

Irgendwie waren wir unter Spi alles andere als schnell, scheinbar hatte unser Spi wohl doch schon einige Meilen zu viel auf dem Buckel. Geschickt wie wir waren, ist es uns dennoch gelungen, bis zum Fastnet Dritter zu bleiben.

Nach dem Fastnet schlug das Schicksal dann zu: Ein kleiner taktischer Fehler und er war weg unser dritter Platz, schlimmer noch, wir waren 50 Meilen hinter dem Fastnet 4 Meilen hinter dem Dritten – schlechte Vorausetzungen – vor allem wenn man langsamer ist als der dritte.
Also machten wir das, was mir im Laser schon die eine oder andere Regatta gerettet hat – man fährt einfach dahin, wo die anderen nicht hinfahren. OK, besonders einfallsreich ist das nicht, aber manchmal ganz schön effektiv. Die führenden Drei fuhren nach Süden, also fuhren wir auf dem anderen Bug nach Südosten. Hochmotiviert gingen wir zur Sache kämpften um jeden Zehntelknote,n um jede Welle auf der man irgendwie auch nur einige Meter mitsurfen konnte. Wir organisierten eine sehr schöne Stromtaktik und waren uns sicher, dass dies alles zum Erfolg führen würde. Da war es wiede – dieses schöne Gefühl eines nahenden Podiums.

Dieses Gefühl hielt auch bis kurz vor Ouessant an, bis sich ein Mini von Norden her näherte – was nicht sein konnte, denn die anderen waren doch im Süden. Dann sahen wir die Segelnummer 754 – Bertrand Delesne. Och nö, was macht der denn jetzt hier, der war doch am Fastnet noch so schön weit hinter uns. Da war es wieder – das Delesne-Trauma – welches mich nun schon seit 2009 verfolgt. Gerade Bertrand Delesne – der zur Zeit den schnellsten Mini auf Vormwindkursen hat – so kurz hinter uns, das ließ einen fünften Platz irgenwie realistischer erscheinen als ein Podium. Aber uns blieb die Hoffnung, dass die linke Seite, von der Bertrand kam, so viel besser ist als die rechte Seite, wo die anderen Drei waren. Super, vielleicht sind die Boote im Süden ja jetzt tot.

Wenn wir Delesne platt machen, dann sind wir vielleicht Zweiter. Genau das ist es, immer bis in die Haarspitzen motiviert bleiben. Bei mittlerweile 6 Windstärken und fieser Welle gaben wir unter großem Spi alles, und es zahlte sich aus, Meter um Meter nahmen wir Bertrand ab. Ja, Zweiter werden wäre sooo schön.

Wir glaubten auch schon fest dran, bis ich 15 Meilen vor Douarnenez zwei Boote auf dem AIS hatte. Speed und Kurs deuteten auf zwei Minis hin, ich sagte Pierre, dass wirwohl ein Problem hätten und unter Umständen Vierter werden könnten. Das einzig Gute war, dass David nur 1,5 Meilen vor uns war und Etienne gar nur 0,8 Meilen. Also auf gings – jetzt ging es darum, uns und das Boot ans Limit zu pushen, was wir auch taten. Na ja, eigentlich segelten wir schon tief in der Twilight Zone. Bei 20kn Wind und einem TWA von 125 Grad zu segeln geht eigentlich nicht, aber wenn man es erzwingt…
Klar war, dass derjenige der jetzt klein beigibt aus dem Rennen ist. Etienne entschied sich recht bald, dem Wahnsinn ein Ende zu machen und auf den Code 5 zu wechseln, damit war er raus und wir Dritter!! Super einer weniger. Jetzt mussten wir nur noch drauf achten, Bertrand Delesne im Griff zu behalten. Blöd nur, dass dieser schon mit dem Medium Spi segelte, der sehr viel besser zum Wind und zum Windeinfallswinkel passte. Also unser Dritter Platz war alles andere als sicher. Wenn der Wind doch nur leicht abnehmen würde und gute 10 Grad drehen würde…v Glücklicherweise tat uns der Wind diesen Gefallen und somit waren wir im Vorteil und unser dritter Platz gesichtert.
Knapp hinter David Raison segelten wir als Dritter über die Ziellinie und waren überglücklich den Fluch des Mini Fastnets endlich besiegt zu haben.

Im großen und ganzen läuft meine Mini Abschiedstournee bisher nicht so schlecht, mit einem 4. Platz bei der Trophee MAP und dem 3. Platz beim Fastnet.  Ende Juli kommt meine letzte Mini Regatta, das Transgascogne. Diese Regatta war 2009 war meine erste Mini Regatta die ich gewonnen hatte. Seitdem habe  ich zu dieser Regatta eine besondere Beziehung und werde alles geben, um auch hier auf dem Podium zu landen. Vorher muss ich aber noch ein klein wenig Vormwindspeed finden, vielleicht sollte ich mal Robert Scheid anrufen und um Rat fragen…

17 Jun 2013

Trophée MAP 2013

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Nach gut einem Jahr Pause startete ich nun das erste Mal wieder bei einer Mini Regatta und dann auch gleich bei meiner Lieblings-Mini Regatta – der Trophée MAP. Ich hatte zwar in diesem Jahr schon einige Tage auf dem Mini trainiert, aber mehr als 7 oder 8 habe ich 2013 noch nicht auf dem Boot gesessen. Das habe ich dann beim Start auch gleich gemerkt. Irgendwie ist das “Time on Distance”-Verhalten eines Minis nicht so unbedingt das Gleiche wie bei einem Class 40. Beim Startschuss war ich dann auch so weit von der Startlinie entfernt, wie der HSV vom Gewinn der Bundesliga. Na ja, was solls, ich bin ja hier, auch um Spaß zu haben, also machte ich mich hochmotiviert daran aus meinem Start aus der 10 Reihe noch etwas Anständiges zu machen. Ich arbeitete mich wie Pac Man durch das Feld der 80 Minis und war nach gut einer Stunde schon wieder auf Platz 5 vorgesegelt und in Schlagdistanz zur Spitze, also alles im grünen Bereich.

An der ersten Wendemarke – der Raz du Sein – hatte ich mich auf Platz 3 vorgesegelt. Trotz meiner wenigen Trainingstage war mein Speed sehr gut. Glücklich und zufrieden segelte ich in der Spitzengruppe Richtung Ile de Groix. Die Spitzengruppe war nun auf 4 Boote geschrumpft und dem Hauptfeld komplett enteilt. Schade nur, dass unsere Gruppe aus vier und nicht aus drei Booten bestand, dann hätte es eine schön entspannte Regatta werden können. So allerdings hing immer das böse Damokles Schwert des vierten Platzes über mir.

Hinter der lle de Groix wollte ich die Entscheidungdann erzwingen. Ich wendete vom Feld weg und suchte Offshore nach mehr Wind. Den erhofften Wind habe ich leider nicht gefunden, dafür aber einen Winddreher, der aus meinem 200 Meter Rückstand einen soliden 2 Seemeilen Rückstand machte. Damokles hatte eisenhart zugeschlagen. Schade, so hatte ich denn 4 Platz so gut wie festbetoniert.

Auf dem Rückweg zur Chausee de Sein Wendemarke nahm der Wind ordentlich zu und es begann ein harter Reachgang mit Code 5 und später mit Code 0. Ich hatte ganz vergessen, wie brutal Mini Segeln sein kann.
Ich hatte das Rennen eigentlich schon für mich abgehakt und mich mit dem 4. Platz arrangiert, als ich an der Wendemarke den zweit- und drittplatzierten nur gute 3 Meilen vor mir sah. Nun hieß es angreifen, schließlich waren es ja noch 30 Meilen bis ins Ziel – 30 Meilen in denen man das Rennen noch drehen konnte. Unter Code0 und gerefften Groß pushte ich mein Boot bei mittlerweile 7 Windstärken bis an die Grenzen und manchmal auch ein wenig drüber hinaus. Der Lohn war, dass ich kurz vorm Ziel bis auf 0,5 Meilen auf die beiden Boote vor mir aufgeholt hatte. So beendete ich das Rennen mit 5 Minuten Rückstand auf den 2 Platz – hätte ich doch bloß nicht diesen blöden Ausreißversuch bei der Ile de Groix gemacht…

Na ja, am Ende war ich zwar ein wenig enttäuscht über den vierten Platz, aber durchaus zufrieden mit meiner Performance. Trotz weniger Trainingtage war ich auf Anhieb konkurrenzfähig und es war für mich wichtig mal wieder eine Einhandregatta zu segeln, denn in der Class 40 gibt es zur Zeit viel zu wenig Einhandrennen und die großen Rennen wie das Vendée Globe oder die Route du Rhum werden schließlich einhand gesegelt. Und – das Vendée Globe ist ja nun mal unsere Ziel-Regatta und wir sind auf einem sehr guten Weg dahin!

3 Jun 2013

Vor den nächsten Rennen

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Nach einer guten Woche Urlaub in den Bergen ging es diese Woche wieder zurück zur Arbeit. Diese Woche war denn auch recht vollgepackt, schließlich stehen in den nächsten 4 Wochen wichtige Regatten im Mini und im Class 40 an. Insofern galt es auf beiden Booten den guten Trimm für die kommenden Regatten zu finden. Im Mini hatten ich Anfang der Woche noch so meine liebe Not, einen guten Bootspeed zu finden, aber die 2 Grad mehr Mastfall waren die Änderung in die richtige Richtung. Beim Training am Ende der Woche war ich wieder einer der Schnellsten. Das ist sehr wichtig für die Trophee MAP und das Mini Fastnet, die in 2 Wochen beginnen. Es ist einfach immer gut zu wissen, dass man kein Speedmanko hat.

Im Class 40 ist unsere Position ein wenig komfortabler. Wie das Normandy Channel Race gezeigt hat, sind wir bei nahezu allen Bedingungen der Konkurrenz überlegen. Aber sich auf den Lorbeeren auszuruhen ist nicht gut, also arbeiten wir auch hier weiter, um immer noch ein wenig schneller zu werden. Da die ganze Woche viel Wind war, hatten wir optimale Bedingungen, um festzulegen, ab welcher Windstärke wir von der Genua auf die Fock (Trinquette ) wechseln, also herauszufinden, wo der Cross Over liegt. Die Ergebnisse waren überraschend und der Speed unter Trinquette – 9.00kn bei einem TWA von 50 Grad sind schon nicht so schlecht auf einem Class 40.

Weiterhin ging es darum, möglichst viel mit meinem BWR Co Skipper Sebastien Auigane für die kommende Azoren Regatta im Class 40 zu trainieren. Wir arbeiten super zusammen. Es ist sehr gut, schon jetzt mit meinen Co Skipper fürs Barcelona World Race trainieren zu können, denn dann müssen wir uns blind vertrauen können.

Neben dem Wassertraining im Class 40 und Mini läuft die Vorbereitung aufs Barcelona World Race natürlich auch auf Hochtouren. Das Training im Open 60, welches für nächste Woche vorgesehen war, ist wegen des Umfalls mit dem Fischer auf Juli verschoben worden, was nicht schlimm ist, da wir faktisch kein Trainingstag im Open 60 verloren haben. Wir sind jetzt dabei, die Modifikationen fürs Barcelona World Race festzulegen. Unsere ersten Tests waren aussagekräftig genug, um festzulegen wie wir die Lücke zu den Booten der 2012 Generation am besten schließen können. Also von unserem Open 60 wird man noch einiges erwarten können.

11 Mai 2013

1 Sekunde an der Katastrophe vorbei

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Oft wird gesagt, dass Segeln ein gefährlicher Sport ist. Was er nicht ist, wenn man weiß wo die Grenzen liegen. Gefährlich wird es, wenn man auf unverantwortlich handelnde Menschen trifft, so wie wir in der Nacht von Donnerstag auf Freitag.

Wir segelten die Regatta Armen Race, eine unserer Trainingsregatten im Open 60. Die Bedingungen waren ideal für ein Training, gute 5 bis 6 Windstärken und Wellen um 2 Meter. Wir waren gerade kurz davor, die Ile de Groix vor Lorient zu runden und bereiteten gerade den Gennaker für den Reachgang zur Ile de Yeu vor. Alles schien perfekt zu sein, mein Co Skipper Sebastien Audigane und das Technikteam, welches mit an Bord war, und ich waren super zufrieden mit dem Boot und unseren Manövern. Es waren noch 2 Meilen bis zur Nordspitze der Ile de Groix. Wir befanden uns schon fast am Fuß der Klippen, wir segelten auf Backbord Bug und hatten regelmäßig gecheckt, ob nicht irgendwelche Boote unseren Kurs kreuzten, wussten wir doch das es hier viele Fischer gibt und Fischer sich nie an Regeln halten

Dann kam die Sekunde, die alles veränderte. Unser Preparateur Antoine meinte ein Geräusch zu hören und checkte, in Lee was es sein könnte. Dann kam der Schrei “WENDE! WENDE!”, ich luvte sofort an und wendete. Während das Boot anluvte, offenbarte sich mir das Grauen: Ich sah das beleuchte Arbeitsdeck eines Fischerbootes und sah wie sich unser Outrigger in sein Fanggeshirr bohrte. Dann kam das unverwechselbare Geräusch von berstendem Carbon und ich sah wie sich der Outrigger nach Achtern bog. Ich war sicher, dass er brechen würde, was zum sofortigen Mastbruch geführt hätte, da der Outrigger den Mast hält, wie eine Saling bei normalen Masten. Das Boot war mittlerweile gewendet und es herrschte Chaos an Deck. Wir waren uns immer noch sicher, dass der Mast in einigen Sekunden brechen würde, alle starrten nach oben und warteten auf den ohrenbetäubenden Knall von brechenden Carbon. Wie durch ein Wunder ist der Outrigger in seiner Aufhängung gebrochen und durch das lose Backstag auf der neuen Luvseite ist der Outrigger wieder in seine Positon gezwungen worden. Wir bargen sofort alle Segel und sicherten den Mast mit Fallen, da wir immer noch nicht sicher waren, ob der Outrigger nicht doch noch nachgibt. Wir checkten sofort den Rumpf und fanden zum Glück nur Kratzer und Farbspuren des Fischerboots.
Der Fischer hat nicht eine Sekunde seine Fahrt reduziert und ist in die Nacht verschwunden.

Auf dem Weg unter Motor nach Lorient war eine eigenartige Stimmung an Bord. Einerseits waren wir überglücklich, den Mast nicht verloren zu haben. Aber jeder von uns wusste, was passiert wäre wenn wir nur eine Sekunde später gewendet wären. Der Fischer hätte uns mit voller Fahrt zwischen Bug und Wanten mit einem Aufparlwinkel von 60 Grad getroffen. Das hätte das Ende vom Boot bedeutet und es hätte auch unser Leben in Gefahr bringen können.

Dass Fischer oft etwas Lax mit den Regeln auf dem Wasser umgehen, wissen wir, aber was dieser Fischer gemacht hat, ist nicht zu verzeihen. Er war ohne Positionslampen unterwegs, hatte kein AIS und hat wohl auch nicht Ausguck gehalten. Soweit hat er nicht korrekt gehandelt  – aber OK, das kann man vielleicht noch akzeptieren, dass es einen Unfall gab, auch noch. ABER nach der Kollision weiterzufahren, ist niemals zu vergeben. Der Fischer hat Verletzte und Tote in Kauf genommen, um sich aus der Verantwortung zu stehlen.
Wir haben den Fischer angezeigt. Er ist immer noch flüchtig. Wir versuchen, zusammen mit dem Behörden, ihn zu identifieziren. Vom französischen Gesetz her hat der Fischer mit seiner unterlassenen Hilfeleistung ein Akt der Piraterie begangen, worauf in Frankreich als Höchststafte Lebenslänglich steht. Die Chancen den Fischer zu finden, sind leider nicht sehr hoch.

Auf uns kommt jetzt wieder viel Arbeit zu. Wir haben schon angefangen, das Boot zu demontieren. Am Montag wird der Mast aus dem Boot genommen und am Mittwoch per Ultraschall untersucht. Auch das Boot wird komplet duchgecheckt. Glücklicherweise stellt uns Jeremie Beyou für diese Saison einen seiner Outrigger zur Verfügung – eine sehr nette Geste. Allerdings müssen wir das Oberwant sowie das Outriggerwant komplett ersetzten, da sie bei der Kollision schwer beschädigt wurden. Wenn alles Gut geht ist der Open 60 in 2 Wochen wieder einsatzbereit.

Als Lehre aus diesem Vorfall haben wir beschlossen, alle Nachttrainings im Open 60 in die äußere Biskaya zu verlegen, wo es weiniger Fischgründe und somit auch weniger Fischer gibt.
Und ich hoffe, dass Fischer irgendwann begreifen, dass sie nicht die Cowboys der Meere sind und sich verdammt noch mal wie alle anderen, an Regeln zu halten haben. Alle kritisieren immer die Segler, aber es sind die Segler die sich zu 98% absolut vorbildlich auf dem Meer verhalten, es nicht verschmutzen und die Regeln akzeptieren.

7 Mai 2013

Rückblick Grand Prix Gruyader

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Mit dem Grand Prix Guyader haben wir nun unsere erste IMOCA Regatta beendet. Im Vorfeld waren wir schon etwas nervös, da wir im Gegensatz zum Mini und Class 40 in der Classe IMOCA ja absolute “Rockies” sind und mit “Groupe Bel” und “Maitre Coq” auch zwei der zur Zeit schnellsten Open 60 am Start waren.
Am Ende der viertägigen Regatta waren wir aber sehr zufrieden mit unserem dritten Platz und nur einem Punkt Rückstand auf “Maitre Coq” (ex “Banque Populaire”). Damit ist klar, dass wir auch in der Classe IMOCA voll konkurrenzfähig sind.
Am ersten Tag als noch relativ viel Wind war, konnten wir den Speed der Top Boote ohne weiteres mitgehen und haben nur durch unnötige Fehler unseren ersten Platz eingebüßt. An den folgenden Tagen hatten wir auch durchaus unsere guten Momente und konnten “Maitre Coq” immerhin dreimal hinter uns lassen. “Groupe Bel” segelte hier in Douarnenez wie in einer anderen Liga und war so gut wie unschlagbar.
Trotz des guten Einstands kommt bis zum Barcelona World Race noch viel Arbeit auf uns zu. Der Satz Segel den wir mit dem Boot gekauft haben, ist nicht im geringsten optimiert, hier ist noch viel Luft nach oben. Auch bei den Manövern können wir noch zulegen, teilweise sind unsere Manöver noch etwas stockend, was auch normal ist, da die Boote super kompliziert und extrem physisch sind.

Jetzt geht es gleich weiter mit einem Double Handed Nacht Training bei ordentlich Wind. Es wird das erste Mal sein, dass Sebastien und ich alleine das Boot segeln, eine wichtige Trainingseinheit für das Fastnet Race Anfang August, welches ja auch Double Handed gesegelt wird.

 
  •  Jörg Riechers auf

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  • Vendée Globe 2012